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Zauberhaftes Zwerchfell: Kennst du diese 10 wichtigen Aufgaben deines Atemmuskels?

Zauberhaftes Zwerchfell: Kennst du diese 10 wichtigen Aufgaben deines Atemmuskels?

Wie gut kennst du dein Zwerchfell? Leider sind viele Menschen kaum mit ihrem wichtigsten Atemmuskel vertraut. Doch was genau das Zwerchfell ist, was es alles kann und wieso es so wichtig ist, ein gesundes Zwerchfell zu haben, werden wir in diesem Beitrag über das Zwerchfell eingehend betrachten. 

Zwerchfell?

Die Lage des Zwerchfells im Körper.

Das Zwerchfell, auch bekannt als Diaphragma, ist ein wichtiger Muskel, der nicht nur den Brustkorb vom Bauchraum trennt, sondern vor allem auch eine entscheidende Rolle bei der Atmung spielt. Darüberhinaus hat es ein breites Repertoire an Funktionen und spielt eine wesentliche Rolle für unsere körperliche und emotionale Gesundheit.

In anderen Sprachen wird das Zwerchfell entsprechend auch als „Diaphragma“ bezeichnet, was aus dem Griechischen stammt und „Trennwand“ oder „Zwischenwand“ bedeutet.

Und auch das Wort „Zwerchfell“, welches aus dem Althochdeutschen „zwercfella“ stammt, bedeutet soviel wie „Zwischenhaut“. Dies bezieht sich auf die Form und die anatomische Lage des Zwerchfells, welches eine dünnwandige, flexible Membran ist—gerade mal drei bis 5 Millimeter dick—die zwischen Brustkorb und Bauchraum liegt und somit diese beiden Bereiche voneinander trennt.

Direkt unterhalb der Lungen und dem Herzen befindet sich das Zwerchfell, das an verschiedenen Stellen des Brust- und Bauchraums befestigt, so z.B. am Brustbein, an den Rippen und an der Wirbelsäule, von wo aus es kuppelförmig aufgespannt ist. Es hat mehrere Öffnungen, durch die wichtige Strukturen wie die Speiseröhre, die Aorta und die untere Hohlvene hindurchtreten. Diese Öffnungen sind für den normalen Funktionsablauf des Körpers entscheidend, da sie den Durchgang von Organen und Blutgefäßen zwischen Brust- und Bauchraum ermöglichen.

Die Aufgaben des Zwerchfells in unserem Körper

Das Zwerchfell übernimmt überraschend viele Aufgabenbereiche und ist an vielen Funktionen des Körpers mitbeteiligt. Es folgt eine Kurzübersicht, bevor wir dann auf die genannten Aspekte etwas detaillierter eingehen:

  1. Atmung: Das Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel. Seine Hauptaufgabe liegt in der Einatmung. Es leistet in Ruhe ca. 70% der zur Einatmung benötigten Arbeit.
  2. Haltungs-Funktion: das Zwerchfells ist eine Muskel-Sehnenplatte, die zwischen Brustkorb und den Rippen und dem Brustbein und der Wirbelsäule aufgespannt ist und dazu beiträgt unseren Rumpf zu stabilisieren.
  3. Stimmbildung: Das Zwerchfell moduliert unsere Stimme.
  4. Unterstützt Kreislauffunktionen: Es hilft durch seine Auf-und Abwärtsbewegungen Flüssigkeiten wie Lymphe oder Blut im Körper zu mobilisieren.
  5. Unterstützt die Verdauung: Wenn sich das Zwerchfell hebt und senkt, kommt es zu einer Massagewirkung für die Organe im Bauchraum. Dies trägt zu einer guten Verdauung bei.
  6. Kann Einfluß auf die Herztätigkeit nehmen: Herzrhythmusstörungen können mit einem schwachen Zwerchfell in Zusammenhang stehen. 
  7. Ermöglicht Husten, Niesen und Erbrechen: das Zwerchfell baut den für diese Vorgänge nötigen Druck auf.
  8. Anti-Reflux-Barriere: ein gesundes Zwerchfell verhindert den Rückfluss von Magensäure und Sodbrennen.
  9. Ermöglicht das Schlucken: das Zwerchfell koordiniert das Atmen während des Essens und während des Schluckvorgangs um ein Verschlucken zu verhindern.
  10. Arbeitet eng mit dem Nervensystem und der Psyche zusammen: unser Nervensystem steuert die Arbeit des Zwerchfells, aber umgekehrt lassen sich über das Zwerchfell auch das Nervensystem und unser emotionaler Zustand beeinflussen.

Das Zwerchfell und seine Lage im Körper.

Das Zwerchfell und die Atmung

Die Hauptaufgabe des Zwerchfells liegt in der Einatmung. Wenn wir einatmen, zieht sich das Zwerchfell nach unten und vergrößert dadurch den Brustkorb, was den Druck im Brustkorb verringert und Luft in die Lunge strömen lässt. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell und kehrt in seine ursprüngliche Position zurück.

Gesteuert wird diese Bewegung des Zwerchfells normalerweise über das autonome Nervensystem, das auch als vegetatives Nervensystem bekannt ist. Das autonome Nervensystem reguliert viele lebenswichtige Funktionen des Körpers, darunter auch die Atmung, ganz ohne, dass wir es überhaupt mitbekommen oder etwas dafür tun müssen. Anders als andere unwillkürliche Prozesse, wie zum Beispiel der Herzschlag, auf den wir keinen direkten Einfluß haben, können wir die Zwerchfellbewegung und damit unser Atmen jederzeit bewusst steuern: indem wir tief einatmen oder die Luft anhalten.

Und durch Atmen nehmen wir auch Einfluß auf unser Nervensystem. Dies können wir nutzen, um uns zum Beispiel zu beruhigen, aber ebenso um uns anzuregen.

Daher ist der Atem ein ganz hervorragendes Instrument und man sollte erlernen, dieses effektiv zu nutzen. Schau doch mal hier vorbei für ein Atem-tool gegen Stress und Angst um damit zu beginnen!

Wir haben also gesehen, dass die Einatmung durch Anspannung des Zwerchfellmuskels geschieht. Die Ausatmung hingegen ist ein passiver Akt, der durch seine Entspannung gekennzeichnet ist. Für eine gesunde Ausatmung ist dies wichtig und kann geübt werden. Also: einfach Loslassen und in die Ausatmung entspannen!

Das Zwerchfell kann, wieder jeder andere Muskel, trainiert werden.

Das Zwerchfell und unsere Verdauung

Das Zwerchfell trennt den Bauchraum von der Brusthöhle und gibt so den Bauchorganen Halt und schützt sie. Unser Atemmuskel spielt aber auch eine Rolle bei der Verdauung. Denn das Zwerchfell massiert sanft mit jedem Einatmen die Bauchorgane. So hat es einen Anteil an der Bewegung von Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt.

Nicht selten hängen Verdauungsprobleme mit einem eingeschränkten Zwerchfell zusammen. Fehlt die ständige Massage durch die Zwerchfellbewegung hapert es nämlich auch mit der Verdauung. Verstopfung ist hier eine der möglichen und häufigen Auswirkungen.

Umgekehrt kann ein Atemtraining und bestimmte Atemtechniken positive Auswirkungen auf die Organfunktion der Bauchorgane und auf die Verdauung haben. Ich empfehle bei Verstopfung einmal die folgende, einfache Atemübung auszuprobieren:

Zwerchfell-Atemübung
  1. Finde eine bequeme und aufrechte Sitzposition. Lege eine Hand sanft auf deine Brust und die andere Hand auf deinen Bauch.
  2. Atme tief durch die Nase ein und versuche dabei deine Bauchdecke sanft nach außen zu drücken. Spüre, wie sich deine Hand auf deinem Bauch hebt. Atme langsam aus, während du beobachtest, wie deine Bauchdecke sanft und ganz von alleine wieder nach innen zieht. Spüre, wie sich deine Hand gleichzeitig auf deinem Bauch senkt.
  3. Vermeide, dass sich deine Schultern beim Atmen nach oben bewegen. Nur dein Bauch hebt und senkt sich—dein Brustkorb sollte fast unbeweglich bleiben.
  • Stelle dir z.B. vor, wie bei jedem Einatmen der gesamte Atemstrom bis tief hinunter in den Bauchraum fliesst.
  • Wiederhole diese Atmung für einige Minuten, konzentriere dich dabei auf die Bewegung deines Bauches und die Empfindungen in deinem Körper.
  • Diese Atemübung wird dir dabei helfen, bis hinunter in den Bauchraum zu atmen und dabei dein Zwerchfell sanft zu aktivieren. Für deine Bauchorgane bedeutet das eine angenehme Massage, die u.a. gegen Verstopfung helfen kann!

Das Zwerchfell und unsere Körperhaltung 

Aufgespannt zwischen Brustkorb und der Wirbelsäule, trägt das Zwerchfell auch dazu bei, unseren Rumpf zu stabilisieren. Schließlich ist es ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Kerns“ oder der „Core“-Muskulatur, die entscheidend für eine gute Körperhaltung und Bewegungskontrolle ist, den Rumpf stabilisiert und die Wirbelsäule schützt. Unser Atemmuskel ist daher auch ein wichtiger Faktor unserer Körperhaltung.

Wie man mittlerweile weiß kann bei bei Patienten mit COPD, also einer chronischen Lungenerkrankung, sowie bei anderen chronischen Krankheiten, die sich negativ auf das Zwerchfell auswirken, die motorische Koordination beeinträchtigt sein1.

Das Zwerchfell arbeitet außerdem mit dem Beckenboden zusammen, um die Stabilität des Rumpfes zu gewährleisten. Die beiden quer aufgespannten Muskeln unterstützen die Wirbelsäule und helfen, den Druck im Bauchraum zu regulieren, was wichtig ist für eine gute Körperhaltung und die Vermeidung von Rückenschmerzen.

Es darf auch nicht verwundern, dass sich eine schlechte Haltung auf unsere Atmung auswirken kann. Sitzen wir zu lange und zu häufig, oder haben wir keine aufrechte Haltung, kann dies die Atmung einschränken, schließlich kann sich dann Zwerchfell und mit diesem die Lunge nicht mehr vollständig ausdehnen. Auch ein durch schlechte Haltung gestauchter Bauch steht nicht mehr zur vollen Ausdehnung zur Verfügung und erlaubt so nicht mehr der Lunge sich nach unten auszudehnen.

Das Zwerchfell und unsere Haltung beeinflussen sich gegenseitig.

Zwerchfell und Reflux

Das Zwerchfell kann an einem Reflux beteiligt sein.

Das Zwerchfell bildet einen wichtigen Anteil an der sogenannten „Anti-Reflux-Barriere“. Die Anti-Reflux-Barriere besteht aus dem unteren Ösophagussphinkter, einer Muskelschicht am unteren Ende der Speiseröhre, sowie aus dem Zwerchfell, das den Magen von oben abdichtet. Gemeinsam verhindern sie, dass Magensäure und Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen. Genau das passiert aber, wenn die Barriere nicht richtig funktioniert.

In einem solchen Fall kommt es zu saurem Aufstoßen und Sodbrennen. In schweren Fällen führt es auch zu einer Refluxkrankheit, die langfristige Schäden an der Speiseröhre verursachen kann.

Wenn das Zwerchfell richtig funktioniert, hilft es also, den Mageninhalt im Magen zu halten und verhindert den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre. Eine Schwächung oder Funktionsstörung des Zwerchfells beeinträchtigt umgekehrt die Anti-Reflux-Barriere und kann für einen Reflux verantwortlich sein.

Tatsächlich ist also Zwerchfelltraining entscheidend für die Vorbeugung von Refluxerkrankungen. Und es konnte gezeigt werden, dass Atemtraining und spezielle Atemübungen bei Reflux-Erkrankung eine effektive Therapie darstellen2

Husten, Niesen und Erbrechen durch das Zwerchfell

Unser Zwerchfell spielt auch eine wichtige Rolle wenn wir Husten, Niesen oder Erbrechen. Der Atemmuskel muss nämlich in all diesen Fällen die erforderliche Kraft für diese Vorgänge bereitstellen.

Beim Husten zieht sich das Zwerchfell zusammen, um den Druck im Bauchraum zu erhöhen und die Luft schnell aus den Lungen zu pressen. Dieser erhöhte Druck unterstützt das Ausstoßen von Schleim oder Fremdkörpern aus den Atemwegen.

Ähnlich wie beim Husten unterstützt das Zwerchfell auch den Niesvorgang, indem es den Druck im Bauchraum erhöht und so schnell die Luft aus den Lungen ausstößt. Dies hilft, die Nase von Fremdkörpern oder Reizstoffen zu befreien.

Das Zwerchfell ist wichtig für Niesen, Husten und Erbrechen.

Und auch beim Erbrechen zieht sich das Zwerchfell zusammen, um den Druck im Bauchraum zu erhöhen und den Mageninhalt nach oben zu drücken.

Das Zwerchfell und der Schluckvorgang

Auch beim Schluckvorgang spielt das Zwerchfell eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Koordination zwischen Atmung und Schlucken.

Bevor der Schluckvorgang beginnt, atmet man nämlich normalerweise ein. Dabei zieht sich das Zwerchfell nach unten, um Platz für die Lungen zu schaffen und Luft in die Lunge strömen zu lassen. Diese Bewegung des Zwerchfells unterstützt die Ausdehnung der Lunge und erleichtert den Atemvorgang vor dem Schlucken.

Schlucken und das Zwerchfell.

Während des Schluckvorgangs muss der Kehlkopf geschlossen werden, um zu verhindern, dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Luftröhre gelangen. Das Zwerchfell unterstützt diesen Prozess, indem es den Druck im Bauchraum erhöht und so dazu beiträgt, den Kehlkopf zu schließen und die Atemwege zu schützen. Geschluckt wird normalerweise mit beginnender Einatmung. Nachdem die Nahrung oder Flüssigkeit geschluckt wurde, entspannt sich das Zwerchfell komplett und kehrt in seine normale Position zurück.

Eine gute Funktion des Zwerchfells ist daher wichtig für einen reibungslosen Schluckvorgang und eine gesunde Atmung währenddessen. Ist das Zwerchfell in seiner Funktion beeinträchtigt, kann sich dies hingegen auch auf das Schlucken auswirken und zu Schluckstörungen oder Verschlucken führen.

Das Zwerchfell und die Sprachbildung

Das Zwerchfell spielt eine wichtige Rolle bei der Stimmbildung und dem Sprechen, da es eng mit dem Atemvorgang und der Erzeugung von Stimmklang verbunden ist. Beim Sprechen erzeugt das Zwerchfell durch seine Bewegungen und die Regulation des Luftstroms den erforderlichen Druck, um die Stimmbänder in Schwingung zu versetzen und dadurch Klänge zu erzeugen. Also steuert unser Atemmuskel den Luftfluss entlang der Stimmbänder und moduliert so unsere Stimme: Durch die Kontrolle des Drucks im Bauchraum kann das Zwerchfell die Intensität und Lautstärke der Stimme beeinflussen.

Sprachbildung ist vom Zwerchfell abhängig.

Eine gute Beweglichkeit und Kontrolle über das Zwerchfell ist also wichtig für eine klare und kraftvolle Stimmbildung. Gezieltes Training des Zwerchfells kann dazu beitragen, das Stimmvolumen zu erhöhen und eine klare Artikulation zu unterstützen.

Zwerchfell und Kreislauf

Indirekt ist das Zwerchfell selbst mit unserem Blutkreislauf und dem Lymphsystem verbunden und trägt dazu bei, dass diese reibungslos arbeiten können.

Zum einen hat dies mit dem Gasaustausch bei der Atmung zu tun: Durch die Bewegungen des Zwerchfells während der Atmung wird der Luftaustausch in den Lungen unterstützt, wodurch Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben wird. Ein ausreichender Sauerstoffgehalt im Blut ist entscheidend für die Versorgung der Organe und Gewebe mit dem für uns so wichtigen Molekül O2 und für die Aufrechterhaltung eines gesunden Kreislaufs.

Das Zwerchfell tut aber noch mehr für unseren Kreislauf: Es hilft durch seine Auf-und Abwärtsbewegungen venöses Blut im Körper zu mobilisieren und ist somit Teil der Muskelpumpe. Die Muskelpumpe bezieht sich auf die rhythmischen Kontraktionen unserer Muskeln, die damit den Blutfluss in den Venen unterstützen.

Zwerchfell und Kreislauf.

Wenn sich die Muskeln zusammenziehen und entspannen, wird Druck auf die Venen ausgeübt, wodurch das Blut in Richtung des Herzens gedrückt wird. Dieser Mechanismus hilft, das Blut aus den Extremitäten zurück zum Herzen zu transportieren und so den venösen Rückfluss zu unterstützen. Das Zwerchfell ist dabei ein wichtiger Muskel, der an der Muskelpumpe beteiligt ist, da seine Bewegungen während der Atmung den Druck im Bauch- und im Brustraum und so den Blutfluss in den Venen beeinflussen.

Dies gilt ebenso für den Lymphfluss. Das Zwerchfell ist sogar eine wahre Lymphpumpe, denn etwa 60 % aller Lymphknoten im menschlichen Körper befinden sich direkt unter dem Zwerchfell3. Auch hier ist es die rhythmische Auf- und Abbewegung des Atemmuskels, die beständig dazu beiträgt, Lymphflüssigkeit abzutransportieren. Dies ist von nicht zu unterschätzendem Wert, schließlich wird über die Lymphe der Abtransport vieler Abfallstoffe des Körpers gewährleistet und sie ist ein wichtiger Teil des Immunsystems.

Ein gut funktionierendes Zwerchfell ist also wichtig für die Versorgung der Organe und Gewebe mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen sowie für Immunfunktionen und den Abtransport von Stoffwechselprodukten. Mit einem Zwerchfelltraining können wir umgekehrt all diese Funktionen stärken.

Das Zwerchfell und die Psyche

Emotionale Zustände wie Trauer, Kummer, Sorgen usw. führen zu einer Verringerung der Aktivität des Zwerchfells, was zur Folge hat, dass die Atmung kürzer und unregelmäßiger wird. Umgekehrt führen angenehme Gefühlszustände wie Glück und Freude dazu, dass die Aktivität des Zwerchfells gesteigert wird. Das Zwerchfell kann auch auf Stressreaktionen reagieren, indem es sich bei Stress oder Anspannung verkrampft, was zu Atembeschwerden führen kann. Studien haben gezeigt, dass das Zwerchfell in Situationen von Anspannung und emotionalem Stress abflacht und unbeweglicher wird4.

Das Zwerchfell hat auch die Fähigkeit, das Schmerzempfinden und den emotionalen Zustand des Patienten zu beeinflussen. Eine veränderte Funktion des Zwerchfells kann sich negativ auf den emotionalen Zustand des Patienten auswirken und mit Angst, Panikattacken und Schmerzempfinden einhergehen. Dies bedeutet also auch, dass falsche Atemangewohnheiten oder ein verspanntes Zwerchfell zu Angst und Schmerz führen können, da wir für diese Zustände sensibler werden. Tatsächlich sind solche falschen Angewohnheiten, oder „Dysfunktionale Atemmuster“, bei 11 % der Allgemeinbevölkerung und bei 83 % der Menschen, die unter Angstzuständen leiden, nachweislich vorhanden5.

Zwerchfell und Psyche

Eine gesunde Zwerchfellatmung reguliert Schmerzempfindung und unsere Emotionen auf eine positive Weise. Umgekehrt sehen wir, dass eine Einschränkung des Zwerchfells häufig mit psychosomatischen Auswirkungen wie Stress, Angst, und chronischen Schmerzen in Zusammenhang stehen. Durch Entspannungsübungen und spezielle Atemtechniken können solche Situationen aufgelöst werden. Aber auch langfristig kann die Funktion des Zwerchfells verbessert und die Atmung reguliert werden. Dies führt auch langfristig zu einem besseren Umgang mit Stress, emotionalen Ungleichgewichten und Schmerz.

Das Zwerchfell kann manuell behandelt werden.

Was, wenn das Zwerchfell nicht richtig funktioniert?

Wie wir gesehen haben, hat das Zwerchfell eine ganze Reihe an wichtigen Aufgaben. Ist das Zwerchfell in seiner Arbeit eingeschränkt, so ist dies also nicht nur an der Atmung, sondern eben auch an vielen anderen Aspekten bemerkbar.

Und wie jeder andere Muskel kann auch das Zwerchfell zu schwach oder verspannt sein. Dies hat dann unter Umständen die folgenden Auswirkungen: 

  • Luftnot oder sogar Atemnot besonders unter Belastung 
  • Nicht selten treten auch Brustenge-Gefühle mit Atemproblemen auf
  • Neigung zu schneller Ermüdung sowohl auf körperlicher als auch auf kognitiver Ebene
  • Schwaches Immunsystem und Infektanfälligkeit
  • Schmerzen in Rücken, Nacken oder Brustbereich: Rückenbeschwerden wie Verspannungen und Schmerzen sind nicht selten Folge eines verspannten Zwerchfells. Auch hartnäckige und immer wieder auftretende Nackenschmerzen und Verspannungen des Schultergürtels sind häufig Ergebnis eines verspannten Zwerchfells. Selbst Beckenfehlstellungen, sogenannte Beckenverwringungen können entstehen
  • Kopfschmerzen treten auch durch Zwerchfellverspannungen auf
  • Verdauungsprobleme und Verstopfung: Durch eingeschränkte Zwerchfellbeweglichkeit, wie sie bei Verspannungen häufig entsteht, kann es zu Verdauungsproblemen und besonders zu Verstopfung kommen
  • Sodbrennen und saures Aufstoßen: Auch Reflux kann so entstehen, speziell durch einen Zwerchfellbruch, bzw. eine Hiatus-Hernie
  • Husten und Asthma bronchiale
  • Eine schwache Stimme und Ermüdung durch Sprechen und Heiserkeit
  • Da das Herz oben auf dem Zwerchfell festgewachsen ist, können durch Verspannungen des Zwerchfells sogar Herzrhythmusstörungen und Blutdruckprobleme auftreten
  • Kreislaufbeschwerden: Eine falsche Funktion des Zwerchfells kann das lymphatische System und den Blutkreislauf negativ beeinflussen. Dies könnte sich durch ein geschwächtes Immunsystem bemerkbar machen oder durch Kreislaufbeschwerden wie Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen
  • Emotionale Unausgeglichenheit: Da das Zwerchfell eng mit Anteilen des Nervensystems kommuniziert, kann es zu emotionaler Unausgeglichenheit bis hin zu Depression, Angststörungen, Panikattacken oder Stresszuständen kommen.

So verbindest du dich mit deinem Zwerchfell

Das Zwerchfell hat noch viele Geheimnisse zu lüften, nicht nur in Bezug auf die Funktionen, die es im Körpersystem ausübt, sondern auch in Bezug auf den Nutzen, den es für uns alle bereithält. Wir sollten ihm also unsere Aufmerksamkeit zukommen lassen und es richtig nutzen.

Die meisten Menschen sind sich jedoch der Aktivität ihres Zwerchfells nur selten oder gar nicht bewusst. Es benötigt ein wenig Achtsamkeit um den Hauptatemmuskel bei seiner Arbeit zu spüren. Mit einer kleinen Übung kannst du diese aber schaffen und dabei auch gleich einmal kontrollieren wie gut deine Zwerchfellatmung funktioniert.

Anleitung zu einer Zwerchfell-Atemübung

  • Stehe aufrecht oder setze dich bequem hin. Lege deine Hände zu beiden Seiten an die Taille, etwa auf Höhe der unteren Rippen, mit den Handflächen an den Körper. Die Daumen zeigen dabei Richtung Bauch während die restlichen Finger zum Rücken zeigen. 
  • Atme nun ruhig und gleichmäßig und konzentriere dich darauf, wie sich dein Bauch und die Flanken während des Ein- und Ausatmens bewegen.
  • Beim Einatmen spürst du vielleicht, wie sich dein Bauch nach vorne ausdehnt und wie sich die Flanken seitlich und nach hinten bewegen. Dies zeigt die Abwärtsbewegung des Zwerchfells, wenn es sich zusammenzieht und Platz für die Lunge schafft.
Eine Übung für Zwerchfell-Achtsamkeit.
  • Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell und bewegt sich nach oben, während sich dein Bauch wieder nach innen senkt und deine Flanken sich seitlich und nach hinten zurückziehen.
  • Achte für einige Atemzüge auf diese Bewegungen. Es kann sein, dass dies erst mit deiner aufmerksamen Beobachtung besser klappt. Es lohnt sich, schließlich kann diese Übung sogar dazu beitragen, deine Atemtechnik zu verbessern und dein Zwerchfell zu befreien. 

Hast du Schwierigkeiten, dein Zwerchfell zu spüren oder es richtig einzusetzen? Atmest du trotz der Übung eher in den Brustkorb als in Bauch und Flanken? Kontaktiere mich gerne-Auch du könntest von einem Atemtraining profitieren!

Quellen: 

  1. Bordoni B, Escher A, Compalati E, Mapelli L, Toccafondi A. The Importance of the Diaphragm in Neuromotor Function in the Patient with Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2023 May 11;18:837-848. doi: 10.2147/COPD.S404190. PMID: 37197600; PMCID: PMC10184771. ↩︎
  2. Qiu K, Wang J, Chen B, Wang H, Ma C. The effect of breathing exercises on patients with GERD: a meta-analysis. Ann Palliat Med. 2020 Mar;9(2):405-413. doi: 10.21037/apm.2020.02.35. Epub 2020 Mar 17. PMID: 32233626. ↩︎
  3. Kocjan J, Adamek M, Gzik-Zroska B, Czyżewski D, Rydel M. Network of breathing. Multifunctional role of the diaphragm: a review. Adv Respir Med. 2017;85(4):224-232. doi: 10.5603/ARM.2017.0037. PMID: 28871591. ↩︎
  4. Courtney, Rosalba. (2009). The functions of breathing and its dysfunctions and their relationship to breathing therapy. International Journal of Osteopathic Medicine – INT J OSTEOPATH MED. 12. 10.1016/j.ijosm.2009.04.002. ↩︎
  5. Courtney, Rosalba. (2009). The functions of breathing and its dysfunctions and their relationship to breathing therapy. International Journal of Osteopathic Medicine – INT J OSTEOPATH MED. 12. 10.1016/j.ijosm.2009.04.002. ↩︎
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