Senkt Atemtraining Blutdruck so wirkungsvoll wie Medikamente?
Kann hoher Blutdruck durch Atemtraining gesenkt werden? Wie es scheint können ein spezielles Training der Atemmuskulatur und bestimmte Atemtechniken dies sogar erstaunlich gut. So konnte eine wissenschaftliche Studie vor kurzem zeigen, dass Atemtraining Bluthochdruck vergleichsweise zuverlässig senken kann wie verschreibungspflichtige Medikamente.

Es klingt fast zu gut und zu einfach um wahr zu sein, doch die Studie der University of Colorado Boulder aus dem Jahr 2021, beantwortet die Frage: „senkt Atemtraining Blutdruck genauso gut wie Medikamente?“ wohl mit einem klaren „Ja“. Sie schlussfolgert, dass das persönliche Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder ähnliche Ereignisse scheinbar einfach und nebenwirkungsarm gesenkt werden kann. Und das sogar ganz ohne anstrengende körperliche Aktivität, ohne drastische Änderungen des Lebensstils oder übermäßiges Abnehmen.
Risiken eines hohen Blutdrucks
Hoher Blutdruck, medizinisch bekannt als Hypertonie, ist ein gefürchtetes Leiden. Schließlich erhöht dieser das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen, wie Schlaganfall und Herzinfarkt, erheblich. Der hohe Druck in den Blutgefäßen kann zu Schäden an den Organen führen und das Risiko für lebensbedrohliche Ereignisse erhöhen. Daher gilt es als wichtig, Hypertonie zu kontrollieren und zu behandeln.

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Bluthochdruck
Gemäß den Daten der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) des Robert Koch-Instituts leidet etwa ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland an Bluthochdruck, was rund 20 Millionen Menschen entspricht. Besonders in der höchsten untersuchten Altersgruppe von 70- bis 79-Jährigen sind sogar drei von vier Erwachsenen von Hypertonie betroffen.
Senkt Atemtraining Blutdruck? Neue Studien
Eine Studie, die 2021 im renommierten Journal of the American Heart Foundation von Daniel Craighead und Kollegen veröffentlicht wurde, zeigt auf der Grundlage einer Untersuchung mit Probanden, dass ein Training der Atemmuskulatur zu einer eindeutigen Senkung des Blutdrucks führte. Der Studie zufolge funktionierte dies zuverlässig, selbst wenn die Studienteilnehmer gerade einmal 5 Minuten am Tag für einen Zeitraum von 6 Wochen das Training durchführten.
Bei den Probanden, die sich an dieses Training hielten, sank der Blutdruck stärker und schneller als es durch Sport oder sogar Blutdruckmedikamente möglich war.
Mehrere Studien bestätigen: Atemtraining senkt Blutdruck
Auch eine Reihe an weiteren Studien jüngerer Zeit (z.B. hier und hier) sehen in Atemtechniken eine mögliche Therapie für essentielle Hypertonie. Mittlerweile liegt eine Vielzahl an wissenschaftlichen Studien vor, deren Ergebnisse dies übereinstimmend zeigen.
So wurde unter anderem die langsame Bauchatmung (auch bekannt als Zwerchfellatmung) als ein Technik bestätigt, die zu einer Verringerung des Blutdrucks, einer verminderten Herzfrequenz, einer entspannenden Wirkung und zu einer Verringerung von Angst führen kann (siehe hier und hier).
Atemtechnik wirkt sich schon nach einmaliger Anwendung positiv auf die Herzgesundheit aus
In einer indischen Studie konnte zudem gezeigt werden, dass sich bereits eine einmalige Durchführung einer Atemtechnik, die aus der indischen Yoga-Tradition stammt, sich wohl positiv auf die Gesundheit des Herzens auswirken könnte.

Probanden sollten die Atemtechnik des “Bienensummens“ oder „Brahmari“ durchführen. Bei dieser Technik wird synchron mit der Ausatmung ein brummender Ton angestimmt. Nach einmaliger, 5-minütiger Anwendung der Atemtechnik des Bienenbrummens konnte zwar noch kein Absinken des Blutdrucks festgestellt werden. Doch konnte direkt nach der Übung bei den Probanden eine gesteigerte Herzratenvariabilität (HRV) gemessen werden.
Atemtechnik steigert Herzratenvariabilität (HRV)
Die Herzratenvariabilität (HRV) ist die Fähigkeit des Herzens, sich an verschiedene Anforderungen anzupassen. Es misst die Variation in der Zeit zwischen den Herzschlägen. Eine höhere HRV zeigt an, dass das Herz flexibler und anpassungsfähiger ist, während eine niedrigere HRV auf eine geringere Anpassungsfähigkeit hinweist. Die HRV wird oft als Indikator für die allgemeine Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems verwendet.
Eine höhere HRV ist also gesund. Dass bereits die einmalige Anwendung der Atemtechnik des Bienensummens eine signifikante Steigerung der Herzratenvaiabilität ermöglichte, könnte darauf hindeuten, dass eine dauerhafte Anwendung dieser Technik sich positiv auf die allgemeine Herzgesundheit auswirken könnte und damit auch auf den Blutdruck.
Besserer Schlaf, fitter, schlauer, gesünder – Atemtraining zeigt vielfache positive Effekte
Zusätzlich zu ihrer Aussage über die blutdrucksenkende Wirkung des Trainings konnte die Studie der University of Boulder, California, folgendes demonstrieren: Ein Training der Atemmuskulatur sorgte auch für besseren und erholsameren Schlaf, verbesserte kognitive Fähigkeiten, erhöhte sportliche Performance und Fitness und ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Außerdem ist bekannt, dass Atemtechniken zumindest unterstützend bei einer Vielzahl an Erkrankungen, wie z.B. der obstruktiven Schlafapnoe eingesetzt werden kann. Auch auf die psychische Gesundheit können sich verschiedene Atemtechniken positiv auswirken.

Atmen als nebenwirkungsarme Alternative zu verschreibungspflichtigen Medikamenten?
Neuen Studien zufolge kann Bluthochdruck durch ein Training der Atemmuskulatur demnach vergleichsweise zuverlässig gesenkt werden, wie durch verschreibungspflichtige Medikamente. Während Blutdruckmedikamente häufig mit Nebenwirkungen einhergehen, haben Atemtechniken jedoch vielfache Vorteile für die allgemeine Gesundheit.
Ein gezieltes Training, am besten unter Anleitung eines erfahrenen Atemtherapeuten oder Atemcoachs, könnte also ein unkomplizierter, einfacher, kostengünstiger und nebenwirkungsarmer Therapieansatz für eine Vielzahl an Gesundheitsproblemen sein. Ein hoher Blutdruck ist dabei nur einer von vielen.
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Blutdrucksenkung ist nur der Anfang: Der Weg zu innerer Ruhe.
Die Wirksamkeit bei Hypertonie ist beeindruckend – aber oft spielt die zugrundeliegende Stress- und Angstbelastung eine zentrale Rolle.
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