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Schlafapnoe: wie man sie erkennt und behandelt

Schlafapnoe: wie man sie erkennt und behandelt

Bist du tagsüber so richtig müde? Hast du Konzentrationsprobleme, schlechter Laune oder leidest unter Depressionen und Antriebsschwierigkeiten? Vielleicht hast du auch Bluthochdruck, eventuell sogar Libidoverlust, bzw. du leidest unter Erektiler Dysfunktion? Verspürst du nachts vermehrten Harndrang? Oder leidest unter Durchschlafstörungen? Nächtlichem Schwitzen? Kopfschmerzen, vor allem am morgen? Vielleicht bist du zudem Schnarcher? Dieser Beitrag ist (nicht nur) für dich. Denn hier geht es darum, wie man die Schlafapnoe erkennt und wie man sie behandelt.

Oh je, die Liste der möglichen Symptome der Erkrankung, um die es in diesem Beitrag geht ist lange. Und es handelt sich dementsprechend auch um eine äußerst ernstzunehmende Krankheit. Aber keine Panik: gerade, wenn man sie früh erkennt und auch früh behandelt, ist die Schlafapnoe durchaus gut therapierter. Und dennoch ist sie noch relativ wenig bekannt. Viele Betroffene wissen überhaupt nicht einmal, dass sie an ihr leiden. Und das müssen wir ändern.

Also, los gehts, dieser Beitrag dreht sich um eine unterschätzte Volkskrankheit und erklärt das Schlafapnoe-Syndrom, seine Ursachen, Auswirkungen, Risikofaktoren und Therapiemöglichkeiten.  

Die unterschätzte Volkskrankheit Schlafapnoe

Moment mal — Volkskrankheit?! Oh ja, absolut. Ich denke, bei den jüngsten Zahlen und Schätzungen zur Schlafapnoe muss man davon sprechen, dass es sich um eine Volkskrankheit handelt. Laut einer Veröffentlichung in der Zeitschrift The Lancet Respiratory Medicine — einer führenden Fachpublikation — leiden weltweit sage und schreibe 936 Millionen Menschen an mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Knapp eine Milliarde also. Und in Deutschland? Der Studie zufolge handelt es sich hierzulande um mindesten 26 Millionen Betroffene!

Laut dem Lungeinformationsdienst leiden über alle Altersgruppen gemittelt etwa 30 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen an einer obstruktiven Schlafapnoe. Und scheinbar sind dabei 95% der Betroffenen nicht einmal diagnostiziert. Sie wissen also überhaupt nichts von ihrem Leiden. Und dennoch führt die Krankheit zu beträchtlichen neurokognitiven und kardiovaskulären Folgeerkrankungen. Im Schnitt, so schätzt man, reduziert Schlafapnoe die Lebenserwartung um gut 10 Jahre. Das sind wahrlich heftige Zahlen!

Schlafapnoe: wie man sie erkennt und behandelt. Schnarchen ist eines der Hauptsymptome der Schlafapnoe. An heftigem Schnarchen, unterbrochen von Atempausen, können Partner und Angehörige die Schlafapnoe oft gut erkennen.

Schlafapnoe — was passiert im Körper

Schauen wir uns das Problem einmal im Detail an. Bei der Schlafapnoe handelt es sich genaugenommen um eine sogenannte schlafbezogene Atemstörung, bei der es zu Atemaussetzern kommt.

Atemaussetzer, das bedeutet Pausen in der Atmung, die ja sonst kontinuierlich von statten geht. Solche Aussetzer dauern zwischen 10 Sekunden und 2 Minuten. Laut Definition ist der Luftstrom bei der Schlafapnoe für mindestens zehn Sekunden um mehr als 90 Prozent (Apnoe) oder zumindest 30 bis 90 Prozent (Hypopnoe) reduziert .

Hierbei verändern sich die Blutgaswerte. Das heißt, Sauerstoff (O2) und Kohlenstoffdioxid (CO2) im Blut, die ja über die Atmung zu- und abgeführt werden. Ganz spezifisch sinkt der O2-Gehalt während das CO2-Level ansteigt. Winzige Messstationen (Chemorezeptoren genannt) im Hirn messen unentwegt wieviel CO2 und wieviel O2 im Blut vorliegt. Sind die Werte im grünen Bereich ist alles gut. Sobald die Werte allerdings zu sehr schwanken und von den Normwerten abweichen, gibt das Atemzentrum im Gehirn den Impuls zum Atmen. So kommt z.B. wieder mehr O2 rein und gleichzeitig CO2 raus.

Ist das Atmen allerdings nicht möglich, z.B. da der Atemweg versperrt ist, und weichen die Werte nun drastisch von dem ab, was im grünen Bereich für den Körper liegt, meldet das Atemzentrum im Hirn Alarm. Genau das passiert auch bei der Schlafapnoe. Und es führt dazu, dass der Mensch wach wird und kurz heftig atmen muss. So wird wieder Sauerstoff im Blut erhöht und, über die folgende Ausatmung, CO2 vermindert. In der Regel passiert dies mit einem lauten Schnarchen, das auf die Atempause folgt.

Übrigens ist Schnarchen aus diesem Grund ein ganz typisches Symptom der Schlafapnoe. Das tückische: in der Regel bekommt der Schläfer hiervon selber überhaupt nichts mit. Oftmals sind es Partner oder andere Familienangehörige, die sich über Atemaussetzer wundern oder — häufiger — sich über das Schnarchen ärgern.

Mediziner lieben übrigens Symptom-Triaden, d.h. drei grundlegende Symptome, die zumeist bei einer bestimmten Krankheit auftreten. Bei der Schlafapnoe sind dies: Schnarchen, beobachtete Atempausen und Tagesschläfrigkeit. Aber bei der Schlafapnoe passiert noch weitaus mehr.

Da ja während der Atempause der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt und der CO2-Spiegel ansteigt, wird eine ganze Reihe an Auswirkungen im Körper in Gang gesetzt.  In der Folge löst das vor allem körperliche Stressreaktionen aus. Der Mensch hat zunächst einmal keinen erholsamen Schlaf mehr. Zum einen wird dieser ja ständig unterbrochen, um nach Luft zu schnappen. Und das geht einher mit ständiger Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf. Auch Konzentrationsschwierigkeiten und schlechte Laune, ja sogar depressive Zustände rühren unter anderem hiervon. Unter Schlafapnoe-Leidende sind anfälliger für Unfälle, gerade im Straßenverkehr. Gerade der gefährliche Sekundenschlaf erhöht massiv die Eigen- und die Fremdgefährdung. Schlafapnoe ist wahrscheinlich ursächlich für eine hohe Zahl an Verkehrs- und anderen Unfällen.

Zum anderen führt besonders Cortisol zu ungünstigen Auswirkungen. Im Zuge der Alarmreaktion schüttet der Körper diesen oft als „Stresshormon“ bezeichneten Botenstoff vermehrt aus. Doch langfristig führt Cortisol zu einem hohen Blutdruck. Dies ist ein typisches Symptom vieler, die an Schlafapnoe leiden. So weisen laut Lungeninformationsdienst etwa 70 bis 85 Prozent der Menschen mit schwierig einzustellendem Bluthochdruck eine Schlafapnoe auf.

Schlafapnoe geht aber auch einher mit erhöhtem Risiko an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Und unter Erektiler Dysfunktion zu leiden. Auch geht es einher mit erhöhtem Harndrang, vor allem nachts. Also wird der Schlaf noch häufiger unterbrochen und weit mehr zum Stressfaktor als zum Regenerationsschlaf. Überhaupt leidet das Immunsystem und die Resilienz des Menschen, da durch die anhaltende Stresssituation die Regenerationsfähigkeit stark eingeschränkt ist. Forscher bringen Schlafapnoe sogar mit einem erhöhtem Krebsrisiko in Zusammenhang. Letztendlich besteht ein stark erhöhtes Risiko bei einer schweren Apnoe für Herzinfarkt und Schlaganfälle.

Puh, erst mal durchatmen und verdauen.

Formen: Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) und Zentrale Schlafapnoe (ZSA)

Recht knapp soll hier darauf hingewiesen werden, dass es verschieden Formen der Schlafapnoe gibt. Es gibt das „Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom“, abgekürzt OSAS, eine zentrale Form, bekannt als „Zentrale Schlafapnoe“ oder ZSA und es gibt eine Mischform aus OSAS und ZSA. 

Die Obstruktive From ist bei weitem am häufigsten. Hierbei liegt das Problem in den Atemwegen, bzw. in einem Kollaps oder Verschluss dieser. Z.b. kann der Rachenbereich verengt sein. Zum einen können die Schlundmuskulatur, die für das Schlucken zuständig ist, und die Zunge sich im Schlaf so absenken, dass sie den Atemweg versperren. Aber auch die Rachenmandeln oder das Zäpfchen (Uvula) können “im Weg” sein. Mandeln oder Zäpfchen sind häufig chronisch entzündet und dadurch vergrößert. Im Volksmund spricht man hier von den Polypen. Mediziner sprechen eher von “adenoiden Vegetationen”. 

Viel seltener als die obstruktive tritt die zentrale Form auf. Hierbei liegt eine Störung im Atmungszentrum im Hirnstamm vor, genauer gesagt im verlängerten Rückenmark. Diese Form ist somit auch schwieriger zu behandeln. Hier fehlen die zentralen Atemimpulse und der Atemantrieb versagt entsprechend. Denn wenn das Atemzentrum geschädigt ist, funktioniert das Messen der Blutgase O2 und CO2 sowie der folgende Atemimpuls nicht mehr richtig. Häufig ist die zentrale Form der Schlafapnoe die Folge einer Grunderkrankung: z.B. kann nach einem Schlaganfall das Atemzentrum im Hirnstamm beschädigt sein. Möglich ist dies auch im Zuge schwerwiegender Nieren- oder Herzerkrankungen.

Mischformen aus OSAS und ZSA sind ebenfalls selten. Sie können z.B. aus einer zunächst vorliegenden OSAS oder ZSA entstehen. Ein Beispiel: die standardmäßig Behandlung einer OSAS besteht in der CPAP-Beatmung mittels eines Atemgerätes. Es kann aber passieren, unter der Therapie mit dem Beatmungsgerät der Atemimpuls seine Arbeit einstellt (der genaue Grund hierfür ist noch nicht vollständig wissenschaftlich geklärt). Somit entsteht neben der obstruktiven Schlafapnoe auch eine zentrale, sogenannte „therapieassoziierte ZSA„. 

Warum Schlafapnoe? — Ursachen und Risikofaktoren 

Zu den Ursachen einer ZSA gehören wie bereits erwähnt Herz- oder Niereninsuffizienzen oder ein Schlaganfall. Auch Medikamente wie zum Beispiel Opioide können ein Schlafapnoe auslösen. Und die Entstehung einer ZSA unter einer Überdrucktherapie (CPAP) der OSAS habe ich oben bereits erwähnt.

Nun zur weitaus häufigeren, obstruktiven Form, der OSAS. Zu den Risikofaktoren gehört hier ganz klar Übergewicht. Aber auch Rauchen, Alkohol, und Bewegungsmangel. Mit steigendem Lebensalter steigt auch das Risiko an Schlafapnoe zu erkranken. Männer sind überdies viel häufiger betroffen als Frauen, bei denen die Zahlen erst ab der Menopause steigen. Und wie bei der ZSA kommt auch bei der OSAS die Einnahme solcher Medikamente, die Muskeln erschlaffen oder entspannen sollen, als Risikofaktor in Frage.

Hier noch einmal kurz und knapp aufgelistet:

  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Alkohol
  • Bewegungsmangel
  • steigendes Lebensalter
  • männliches Geschlecht
  • Medikament, die den Muskeltonus herabsetzen
  • Verengte Atemwege

Erwähnt habe ich bereits weiter oben, dass als Ursache für eine obstruktive Schlafapnoe immer auch verengte Atemwege in Betracht kommen. So kann es z.B. an einer schlaffen bzw. nachts erschlaffenden Rachen- und Schlundmuskulatur liegen, dass es zu Atemaussetzern kommt. Auch die Zungenmuskulatur kann erschlaffen und der Zungengrund in Richtung Rachen zurückrutschen. Auch vergrößerte Rachenmandeln oder das Zäpfchen können die Atemwege versperren.. Beide sind bei manchen Menschen chronisch entzündet und aus diesem Grund vergrößert. Auch Entzündungen in der Nase, in den Nasengängen und in den Nasennebenhöhlen — alles andere als seltene Leiden — können hierbei ursächlich vorliegen. Auch eine Nasenscheidewandverkrümmung kann hier maßgeblich vorliegen. 

Und, die Mundatmung. Dies wird zwar generell als Ursache oder Risikofaktor für die Schlafapnoe vernachlässigt. Aber mir ist dieser Punkt sehr wichtig. Hierzu später mehr.

Therapie: wie man Schlafapnoe behandelt

Zur Behandlung eines Schlafapnoe-Syndroms sollte zunächst unbedingt eine Reduktion des Körpergewichts angestrebt werden. Zusammen mit regelmäßiger körperlicher Bewegung kann dies dazu beitragen, Bluthochdruck zu regulieren. Aber auch die Zungen- und Schlundmuskulatur profitiert hiervon indirekt und kollabiert seltener.

Natürlich müssen Betroffene eventuell auslösende Medikamente absetzen, also solche, die den Muskeltonus herabsetzen. Auch auf Alkohol und Tabakkonsum sollte verzichtet werden. 

Zur konventionellen medizinischen Therapie gehört in erster Linie die Überdrucktherapie. Die als CPAP oder „continuous positive airway pressure“ (kontinuierlicher positiver Atemwegsdruck) bekannte Therapie beinhaltet das nächtliche Tragen einer Atemmaske. Es handelt sich um eine Form der Beatmung, bei der die Atmung mit leichtem Überdruck unterstützt wird. Damit die Behandlung wirksam ist, muss das Geräte mindestens fünf Stunden pro Nacht genutzt werden. Es verhindert bei einigen Behandelten die Atemaussetzer weitgehend.

Aber bei weitem nicht Allen ist mit dieser Methode effektiv geholfen. Denn nicht jeder verträgt oder gewöhnt sich an eine CPAP-Therapie. So beklagen Betroffene die lauten Geräusche des Geräts, das unangenehme Tragegefühl, Beklemmungen, Platzangst und Panikattacken. Zu den Nebenwirkungen gehören aber auch, Blähungen, rote und trockene Augen sowie Mund- und Nasentrockenheit. Kurz: für viele, die an Schlafapnoe leiden, handelt es sich eher um einen Störfaktor ihres Schlafes als um eine Erleichterung.

Zwar lässt sich Schlafapnoe mit der CPAP-Therapie behandeln, aber viele Betroffene kommen nicht gut mit dieser Methode zurecht.

Außerdem existieren Gebissschienen, sogenannte Unterkieferprotrusionsschienen, die zur Vermeidung der Atemaussetzer nachts getragen werden. Diese Schienen resultieren in einem Überbiss. Sie sollen die Atemwege durch den Überbiss offenhalten und das Kollabieren derselben verhinden. Aber auch diese Methode führt nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Auf einer ähnlichen Idee basiert der chirurgische Eingriff mit Repositionierung des Unterkiefers. Hierbei wird der Unterkiefer operativ so vorverlagert, dass es ebenfalls nicht mehr zum Kollabieren kommen soll.

Eine weitere Therapiemethode ist die Neurostimulation der Zunge, auch bekannt als Zungenschrittmacher. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Generator, der unter die Brusthaut implantiert wird. Ganz ähnlich einem Schrittmacher fürs Herz, gibt der Zungenschrittmacher elektrische Impulse, die auf den Hirnnerven wirken soll, der für die Zungenbewegung zuständig ist. Dadurch kommt es nachts zu einem Vorschieben der Zunge, was wiederum das Kollabieren der Atemwege verhindern soll.

Soweit die konventionellen Therapiemöglichkeiten. Die meisten dieser Therapien sind leider keine Ursachen-Behandlungen. Einige müssen dauerhaft durchgeführt oder wiederholt werden und stellen häufig für die Betroffenen keine Dauerlösung dar. Gerade die CPAP-Therapie wird, wie erwähnt, nicht von allen toleriert und daher aus verschiedenen Gründen abgebrochen. Wie übrigens eine vor kurzem erschienene Studie zeigte, schützt die CPAP-Therapie außerdem nicht vor Schlaganfällen und Herzinfarkten als Folgeerscheinungen der Schlafapnoe.

Mundatmung?

Jawohl. Ein wichtiger Grund für all viele der oben genannten Ursachen einer Obstruktion der Atemwege ist die Mundatmung. Denn für das physiologische, sprich: richtige und gesunde Atmen ist die Nase zuständig. Andernfalls entstehen gesundheitliche Auswirkungen und Probleme.

Nehmen wir z.B. die vergößerten, entzündete Mandeln. Die Mandeln, eigentlich Tonsillen, sind Abwehrbollwerke, die sich mit den von außen ständig auf uns einprasselnden Erregern in Form von Viren und Bakterien auseinandersetzen. Das können sie gut, denn sie stecken voller Abwehrzellen. Um diese aber ist es schlecht bestellt, wenn in Folge ständiger Mundatmung die Schleimhäute in diesen Bereichen ausgetrocknet sind. Ähnlich verhält es sich bei entzündeten, verengten Nasennebenhöhlen. und Nasenatmung. .

Denn, wird die Nase zur Atmung konsequent benutzt, so wird sie, inklusive der Nebenhöhlen, auch stetig mit Luft gereinigt. Dabei transportiert der beständige Luftstrom und die winzigen Härchen (Zilien) in den Nasengängen kleinste Fremdkörper und Erreger zuverlässig ab. Und die Nasenschleimhaut bleibt aktiv und gesund solange sie so benutzt und „durchlüftet“. Wird jedoch die Nase nicht zum Atmen benutzt, das dies durch den Mund geschieht, so entstehen unweigerlich chronische Entzündungen der Nasenschleimhaut. Die Atemwege sind dann verengt, denn Entzündungen brauchen Platz, das Gewebe ist angeschwollen und die Immunzellen funktionieren nicht optimal. Das Atmen durch die Nase fällt nun erst recht schwer und wird weiter auf den Mund verlegt. 

Mundatmung, auch bei Kindern, ist keine Seltenheit. Leider ist sie auch mit einer ganzen Reihe von gesundheitlichen Problemen verbunden, einschließlich Schlafapnoe. Auch hieran lässt sich ein Hinweis auf Schlafapnoe.

Aber auch Kauen, oder besser gesagt, das mangelnde Kauen spielt eine große Rolle! Denn in unserer heutigen Gesellschaft sind die allermeisten Nahrungsmittel weich und wir müssen kaum noch kauen. Leider! Weissbrot und Nudeln im Mund zu zerkleinern erfordert kaum den muskulären Einsatz, den unsere Kaumuskulatur bietet. Nur ganz nebenbei erwähne ich, dass zu wenig Kauen auch dazu führt, dass wir die in unserem Essen enthaltenen Nährstoffe nicht optimal verdauen und verwerten können.

Wusstest du, dass deine Kaumuskulatur, gemessen an ihrer Größe, mit Abstand die kräftigste Muskelpartie deines gesamten Körpers ist? Egal, wie gut du deinen womöglich Bizeps trainiert hast!! Dein Musculus masseter deines Kiefers und seine Mitstreiter sind allesamt Muskelprotze. Und doch behandeln wir sie heute wie die größten Weicheier! Und hier gilt die Regel: use it or lose it. Auf deutsch: was wir nicht benutzen, geht flöten. Was passiert mit einem fantastisch trainierten Bizeps, wenn man ihn mal ein paar Monate links liegen lässt? Genau. Ist die Kaumuskulatur unterfordert, so baut auch sie ab. Baut die Muskulatur rund um den Kiefer ab, so hält sie nicht mehr den Raum offen, der die Atemwege ausbildet. Und schon ist ein Prozess im Gange, durch den die Atemwege verengen.    

Fazit für den Alltag und für die Schlafapnoe-Prävention also: konsequent durch die Nase atmen und immer mal wieder etwas hartes Kauen! 

Schlafapnoe und Atemtherapie

In diesem Sinn sollten wir zukünftig als Therapie der obstruktiven Schlafapnoe auch die nicht-invasiven, atemtherapeutischen Methoden stärker nutzen. Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Trainingsmethoden, die auf Atmungsumstellungen und Atemanpassungen abzielen, die hierbei vielversprechend sind. Z.b. kann die Schlund- und Rachenmuskulatur gestärkt werden, was einem Kollabieren der Atemwege in der Nacht entgegenwirkt.

An allererster Stelle steht die konsequente Umstellung auf Nasenatmung. Viele wenn nicht die meisten OSAS Patienten atmen durch den Mund, auch tagsüber. Hier muss daran gearbeitet werden auf die physiologische Nasenatmung umzustellen. Diese kann zu einer Milderung der Atemwegsverengung führen. Mandelentzündungen und Nasengangs und Nasennebenhöhlenentzündungen heilen und schwellen ab, wodurch selbst verkrümmte Nasenwscheidenwände, die bei ziemlich jedem Menschen vorliegen, nicht mehr so schwer ins Gewicht fallen. 

Atemtechniken verbessern die Atemwahrnehmung und trainieren eine gesunde Atmung durch die Nase, bis diese zum präferierten Standard wird. Einfache Techniken aus der indischen Pranayama-Tradition kommen hier ebenso in Frage wie bestimmte Übungen der Buteyko-Therapie.

Außerdem ist bekannt, dass Atemtraining Bluthochdruck senken kann. Gerade bei Schlafapnoe. die zumeist mit diesem Symptom einhergeht, kann dies also eine sinnvolle Therapie sein.

Ist „mouth-taping“ sinnvoll?

Konträr zu den gegenwärtigen Trends empfehle ich übrigens nicht, im Alleinversuch den Mund mittels Klebeband oder Pflastern zu verschließen. Das sogenannte mouth-taping ist zwar tatsächlich in manchen Fällen therapeutisch angebracht. In manchen Fällen aber kommt diese nicht in Frage. Hier denke ich unter anderem an Angstzustände und Beklemmungsgefühle, die diese Praktik bei manchen auslösen könnte. Besser ist es daher, unter Anleitung eines erfahrenen Therapeuten zunächst den Grad der Apnoe einzuschätzen, sowie die Ursachen und Risikofaktoren zu identifizieren. Auf dieser Basis kann dann anhand eines individuell aufgestellten Therapieplans ganzheitlich an verschiedenen Punkten gearbeitet werden. Nur so steht eine sichere und langanhaltende Besserung in Aussicht.

Also, unterm Strich steht: Schlafapnoe ist alles andere als eine Krankheit, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Leidest du unter den aufgeführten Symptomen oder kennst jemanden, bei dem du den Verdacht hast? Dann kann ich nur empfehlen, einen erfahrenen Behandeln, Therapeuten, oder Facharzt aufzusuchen oder direkt in ein Schlaflabor zu gehen: Denn eventuell handelt es sich um Schlafapnoe. Und nein, damit ist nicht zu spassen. Aber: die gute Nachricht ist: Schlafapnoe lässt sich behandeln! Je früher, desto besser! Und wie ich sagen würde, je weniger invasiv und je mehr mit Unterstützung durch Atemtraining — zumindest begleitend und zusätzlich zu einer Standardtherapie — desto sinnvoller und langanhaltender der therapeutische Erfolg. Du kannst mich gerne bei Fragen kontaktieren.

Schlafapnoe und Kinder?

Übrigens: selten, aber möglich ist sogar das Schlafapnoe-Syndrom bei Kindern. Hier zählen zu den möglichen Symptomen Bettnässen, nächtliche Unruhe und Schwitzen, und vor allem tagsüber beobachtbare behinderte Nasenatmung, die mit Mundatmung einhergeht. Außerdem können hier Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen aber auch Unruhe, Nervosität und andere Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität entstehen. Werden solche Symptome bei Kindern beobachtet, darf also auch die Schlafapnoe als Ursache nicht außer Acht gelassen werden.

Aufmerksam sollten Eltern und Lehrer meiner Meinung nach schon bei beobachtbarer Mundatmung bei Kindern werden. Diese kann nämlich relativ einfach durch ein kindgerechtes Atemtraining behoben und wieder auf die physiologische Nasenatmung umgestellt werden. Somit wird Folgeerkrankungen — einschließlich der Schlafapnoe — frühzeitig entgegengewirkt.

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