Mundatmung bei Kindern ist weit mehr als nur eine schlechte Angewohnheit; sie kann erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Gesichts, der Zähne und des gesamten Kiefersystems haben. Wenn mehr als 25-30% der Atemluft durch den Mund statt durch die Nase strömt, deutet dies häufig auf zugrunde liegende Probleme in den oberen Atemwegen hin. Früher wurde hier häufig operiert. Gerade für Kinder kann aber auch die Atemtherapie eine sanfte Methode darstellen, die Nasenatmung zu unterstützen und gesundheitliche Probleme der Mundatmung frühzeitig zu verhindern.

Ursachen der Mundatmung
Mundatmung wird in der Regel durch Obstruktionen in den oberen Atemwegen verursacht. Zu den häufigsten Ursachen zählen vergrößerte Adenoide (Rachenmandeln) oder Gaumenmandeln, die den Luftstrom durch die Nase behindern und das Kind dazu zwingen, durch den Mund zu atmen. Auch Nasenentzündungen, allergische Rhinitis, eine Nasenscheidewandverkrümmung oder Nasenpolypen können zu Mundatmung führen.

Obwohl Studien zeigen, dass sich die Symptome nach operativen Eingriffen, wie dem Entfernen von Adenoiden oder Mandeln, anfänglich verbessern können, zeigen Langzeitstudien, dass die Mundatmung häufig nicht vollständig behoben wird oder wiederkommen kann. Dies ist einer der Gründe, warum mittlerweile Operationen bei Kindern zur Entfernung der Mandeln (umgangssprachlich auch “Polypen”) weit weniger häufig praktiziert wird, als dies vor einigen Jahren der Fall war. Schließlich haben Studien gezeigt, dass es keinen klinischen Vorteil hat, bei Kindern mit häufigen Atemwegsinfektionen sofort zu operieren, im Vergleich dazu, erst einmal abzuwarten.
Auswirkungen auf die Zahnentwicklung und langfristige Folgen
Die Mundatmung hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Zahnentwicklung. Bei nasaler Atmung bleibt der Mund geschlossen, und die Zunge liegt am Gaumen und den oberen Zähnen an. Diese Position unterstützt eine ausgewogene Muskelkraft, die für die normale Entwicklung des oberen Zahnbogens entscheidend ist. Bei Mundatmung hingegen ist der Druck der Zunge reduziert, was zu einer Verengung des Oberkiefers und zu Zahnfehlstellungen wie Kreuzbiss und offenem Biss führen kann.

Langfristig kann unerkannte Mundatmung zu dauerhaften Schäden führen. Eine Studie von Lin et al. (2022) zeigt, dass solche obstruktiven Bedingungen zu einer abnormalen Entwicklung des dentofazialen Systems führen können. Dass heißt, bei anhaltender Mundatmung kann es zu Zahnfehlstellungen, Kieferfehlbildungen und sogar zu strukturellen Veränderungen im Gesicht kommen. Auch Karies und Zahnfleischprobleme können mit chronischer Mundatmung in Zusammenhang stehen, unter anderem weil die Mundhöhle durch den kontinuierlichen Luftstrom austrocknen kann. Wie Mundtrockenheit, Speichel und Karies dabei zusammenhängen, erfährst du ausführlich im Beitrag Mundatmung und Karies: Kann Atmen durch den Mund den Zähnen schaden?.
Zudem können auch Schnarchen und Schlafapnoe mittel- bis langfristige Konsequenzen der Mundatmung sein. Ein kontinuierlicher Sauerstoffmangel durch eingeschränkte Nasenatmung kann zu Konzentrationsschwächen und verminderter Leistungsfähigkeit führen; selbst ADHS-Symptome können bei Kindern mit einer Mundatmung im Zusammenhang stehen. Hier findest du mehr darüber, warum schlechte Atmung mit Konzentrationsproblemen bei Kindern im Zusammenhang steht.
Der Vorteil der Atemtherapie
In meiner Arbeit als Atemtherapeut mit Kindern stelle ich fest, dass Atemtherapie, die speziell auf die Wiederherstellung der Nasenatmung abzielt, oft vielversprechender ist als chirurgische Eingriffe. Viele Fälle von Mundatmung resultieren aus einer blockierten Nasenatmung, häufig aufgrund von Infektionen der oberen Atemwege. Diese Blockade zwingt das Kind dazu, durch den Mund zu atmen, was wiederum zu weiteren Entzündungen im Nasen- und Rachenraum führt und die Nasenatmung zusätzlich behindert. Häufig kommt es erst jetzt zur eigentliche Obstruktion, beispielsweise durch vergrößerte Mandeln aufgrund der häufigen Infektion.

Durch gezielte Atemtherapieübungen kann der Teufelskreis durchbrochen werden. Spezielle Übungen fördern die Nasenatmung und reduzieren Entzündungen im Nasen- und Rachenraum. Hierdurch kann sich langfristig eine gesunde Atmung wiederherstellen lassen. In vielen Fällen kann so auch ein operativer Eingriff vermieden werden. Die Therapie zielt darauf ab, die Nasenatmung zu reaktivieren und langfristig zu stabilisieren, wodurch eine nachhaltige Verbesserung der Atemfunktion erreicht wird. Durch gezielte Atemtherapieübungen kann der Teufelskreis durchbrochen werden.
Ein aktuelles Beispiel aus meiner Praxis zeigt, wie wir selbst nach Jahren der Fehlbelastung ein komisches Atemmuster beim Kind korrigieren und die Nasenatmung stabilisieren konnten.
Der Frust mit Kinder-Atemübungen – woran viele Eltern scheitern
Viele Eltern kennen das Problem: Die Motivation hält nur kurz, der Alltag kommt dazwischen, oder die Kinder blocken die Übungen ab, weil sie es als „Zwang“ empfinden. Oft liegt es daran, dass die Übungen nicht in den Alltag passen oder die spielerische Komponente fehlt.
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Fazit
Mundatmung ist nicht nur ein kosmetisches oder oberflächliches Problem, sondern kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Auch die mögliche Verbindung zwischen Mundatmung und Körperhaltung wird inzwischen untersucht. Wie Kopf, Hals, Wirbelsäule und Atemweg dabei zusammenspielen, erfährst du in meinem neuen Beitrag Mundatmung und Körperhaltung. Es ist entscheidend, frühzeitig einzugreifen und mögliche Ursachen wie obstruktive Atemwegserkrankungen zu identifizieren und zu behandeln. Während chirurgische Eingriffe unter Umständen nur eine kurzfristige Lösung, zeigt die Erfahrung, dass eine gezielte Atemtherapie eine effektivere, nachhaltige Behandlung darstellt. Sie hilft, die Nasenatmung wiederherzustellen, die Zahnentwicklung zu unterstützen und langfristige gesundheitliche Folgen zu minimieren.
Eltern, Lehrer und Therapeuten sollten auf Anzeichen von Mundatmung bei Kindern achten und gegebenenfalls Spezialisten hinzuziehen. Atemtherapie kann ein wertvoller Ansatz sein, um die Nasenatmung einfach und sanft zu fördern und so die langfristige Gesundheit und Entwicklung zu sichern.
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